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Flohmarkt der Diebe in Bangkok – Teil2

Published: Montag, Mai 18th, 2009

Nur wenige Gelegenheiten zum Verschnaufen hat man, die Breiten der Gehwege unterschreiten einen Meter oftmals.

Bei Gegenverkehr an Passanten führt das oftmals zu ungewollten Berührungen. Das wiederum nutzen Trick- und Taschendiebe aus, man sollte hier (in Chinatown immer!) besonders auf seine Geldbörse Acht geben, und Mobiltelefone am Gürtel befestigt zu haben ist auch ein oft gemachter Kardinalfehler. Frauen unter den Besuchern sollten bei der Wahl des Schuhwerks und auch der Handtasche bedenken, dass die Gehsteige oft uneben sind, Versätze und Stolperfallen gibt es an jeder Ecke, und überall lauern Bettelkinder oder auch erwachsene Diebe auf eine sich bietende Gelegenheit, einer beispielsweise unbeholfen vor sich hin staksenden High-heels-Dame ihre vielleicht gestern in der Nobelboutique gekaufte Gucci-Handtasche nebst Inhalt zu entreissen. Nach 22 Uhr beginnt sich das Geschiebe in den Gängen etwas zu lichten, wer fleissig war und ein gutes Schritttempo vorlegte, der hat nun bereits 20% des gesamten Marktes gesehen. Nun findet man eher die Müsse, ein paar Fotos zu schiessen, einen Snack aus der Garküche zu sich zu nehmen (wenn man den Mut und einen resistenten, strapazierfähigen Magen hat) oder sich mit den Auslagen der Dealer etwas näher zu befassen.
Die Mitnahme einer Strassenkarte ist nicht nötig, denn das Marktgeschehen spielt sich nur in einem unsichtbar abgegrenzten Territorium ab. Um den Markt herum verlaufen grosse Verkehrsstrassen, und man kommt von überall relativ schnell an ein Taxi oder TukTuk, wenn der Spass des Schnäppchenjagens abklingt, die wunden Füsse sich melden oder gar der Rucksack so voll gestopft mit Geshopptem ist, dass es so einfach nicht mehr locker weitergeht. Anfängern empfehle ich gerne, sich nur dieser Marktperipherie entlang zu bewegen. Bis man dann wieder am Ausgangspunkt ist, hat man etliche Kilometer abgeschritten.

An besonders attraktiven Angeboten gibt es für mich hier immer zum Beispiel die Anbieter des Airlinezubehörs. Nein, ich sammle keine Kaffeelöffelchen mit dem Signet der Fluglinien oder Kotztüten aus den Sitztaschen, ich bin da als Resident in Thailand scharf auf für Touristen ganz banal wirkende Sachen. Kaffeerahm von Bärenmarke, Käse aus dem Emmental, die gute Zentis Marmelade oder kleine Riegel von edlen Schweizer Schokoladen muss man nicht vermissen, wenn man die Kniffe Bangkoks kennt! Die kessen Saftschubsen der Gourmet-Airlines werden diese Dinge nicht vermissen, denn ihr Cateringservice rüstet die Wägelchen ja für jeden Flug erneut voll auf. Das Angebot als auch der jeweilige Standort wechselt immer, ob ich nun mit einem Kilobeutel von Mini-Babybelkäse oder australischem ehester heimkehren werde, das weiss ich vorher nie.
Im Angebot ist immer das, auf was die Airlines gerade nicht gut genug aufgepasst haben, so denke ich jedenfalls, denn bestellen kann man nichts – alles bleibt dem Zufall überlassen. Besonders die Artikel aus den feineren Passagierklassen der Airlines gelten bei mir persönlich als die wahren Schnäppchen des unvergleichlichen Flohmarkt der Diebe. Der Schwerpunkt des Marktes hinsichtlich des Angebotes liegt aber eindeutig eher in den Bereichen der Heimwerkerei, Krad & Kfz.-Zubehör, Kleinantiquitäten, Buddhafiguren und Bekleidung aller Art. Es gibt hier am hochmobilen Stand wahrscheinlich mehr Armaturen und Brauseschläuche nebst allem Zubehör zu erstehen, als ein gutsortierter und grosser Baumarkt an Auswahl hat. I-Pods, Laptops und andere elektronische Spielzeuge gibt es hier ohne jede Gewähr und oft ohne Zubehör, dafür halt spottbillig. Auch Kameras kann man hier vor Ort nicht wirklich ausprobieren, man geht schon Risiken ein.

Irgendwann geht auch dem hartgesottensten Marktprofi die Puste aus. Man sehnt sich nach Klimaanlage oder einfach einem Platz, wo man sich hinsetzen kann. Die chinesischen Gehweganbieter von Entengerichten mit Reis, deren Grillvögel mich vorhin beim Vorbeigehen noch so traurig aus der Glasvitrine mit ihren toten Augen angeschaut haben, die boykottiere ich. Doch nicht etwa, weil deren Essen nicht schmecken möchte, sondern weil ich kein Mensch bin, der sich an einem Klapptisch auf einem Plastikhocker mitten im Tohuwabohu des Gehsteiggedränges wohl fühlen kann. Ich selber habe auch keine Präferenz für US-Fastfood, aber habe mich auch schon dabei ertappt, im KFC auf der Worachak Road neben dem Klong Thom Center an der Marktperipherie in der klimatisierten Atmosphäre dort bei einem erfrischenden Eistee etwas abzukühlen, bevor ich eine erneute Marktrunde wage.

Gekühlte Getränke für durstige Marktbegeher gibt es sonst an jeder 2. Ecke. Der eine kauft sich halt etwas im 7-Eleven (schwer zu finden hinter der schultergeschlossenen Reihe mannshoher Kühlschränke des Dealers unmittelbar davor), ein Anderer zieht vielleicht den Schluck Whisky oder den billigsten Reisschnaps aus der Flasche vor, den meist ältere Chinesinnen im Labyrinth der Gassen in der Marktmitte neben ihren lose und einzeln zum Verkauf angebotenen Zigaretten bereithalten.
Das Labyrinth der Wege im Marktviertel erschwert die Orientierung. Verabreden Sie in ihrer Gruppe zwingend einen gut auffindbaren Treffpunkt, die schmalen Wege erschweren gemeinsames Vorgehen erheblich. Dieser Markt ist übrigens wirklich und absolut nicht für Kinder geeignet! Viel Erfolg beim Stöbern! Auch weit nach Mitternacht herrscht noch reges Treiben vor den Ständen, aber man kann sich nun auch etwas bewegen und sich nach einem Gegenstand auf einer Decke bücken, ohne dass man gleich von anderen Passanten per sanftem Druck gegen den Hintern in die jeweilige Auslage befördert wird.

Tags: Bangkok, Flohmarkt, thailand
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Flohmarkt der Diebe in Bangkok – Teil1

Published: Samstag, Mai 16th, 2009

Flohmarkt der Diebe in Bangkok

An jedem Samstag geschieht es aufs Neue. Bereits in den frühen Nachmittagsstunden errichten fleißige Händler in einem ganzen Stadtviertel der Metropole ihre Zelt-Zeilen, breiten ihre Verkaufsdecken aus, oder montieren ihre transportablen Marktstände. Es müssen Tausende von Händlern sein, die hier Ameisen gleich jede begehbare Gasse, eine jede Treppenstufe, ja sogar Straßenbäume, Bauzäune und die Frontvergitterungen der hier ansässigen Geschäfte für ihre Waren in Beschlag nehmen. Viele Tonnen an Waren werden in Rekordzeit ausgeladen. Um 17 Uhr, wenn der Verkaufmarathon startet, muss ein jedes Lieferfahrzeug entfernt sein. Denn die Käuferscharen kommen pünktlich! Es grenzt an ein Wunder, aber klappt doch jedes Mal. Der Flohmarkt der Diebe, schon alleine der Name verleitet zum Aufhorchen! Finstere Gestalten, vermummte Banden gibt es hier aber nicht, nur Waren, Händler und Käufer. Waren können und werden durchaus oft aus Hehlereien aus Einbrüchen und Diebstählen entstammen, allein der Zustand mancher Dinge hier ist für diese Vermutung ein sicheres Indiz.
Kaum jemand würde z.B. sein Autoradio ausbauen und dabei die Kabel nur abreissen oder eine Digitalkamera der neueren Generation ohne das passende Ladegerät, die Bedienungsanleitung und das Futteral feilbieten. Doch zum Warenangebot selber kommen wir später noch. Historisch war dieser Diebesmarkt in einem ganz anderen Stadtviertel von Chinatown zu Hause, nämlich dem Nakhon-Kasem-Viertel, doch im Laufe der letzten 20 Jahre ist der Nakhon Käsern Market eher zu einem fast reinen Touristen-, Tand- und Andenkenmarkt geworden. Hehlerwaren werden nun unter anderen Sachen schon lange in einem recht versteckt gelegenen Stadtviertel angeboten. Thai wissen das natürlich und strömen an jedem Wochenende hier in wahren Scharen hin. Das Viertel kann man auf jeder besseren Strassenkarte grob mit dem Gebiet umreissen, in dem sich die Strassen: Mahachak, Worachak, Charoenkrung, Suar Pa Road und Thanon Phayabaan Klang miteinander vernetzen bzw. sich befinden. Eine spezielle Marktpolizei überwacht mit grossem Personalaufgebot die ungeschriebenen “Gesetze” dieses Marktes.

Händler hier sehen oftmals ganz und gar nicht heruntergekommen aus und bringen ihre Güter nicht selten in feudaleren Pickups oder grossräumigen Geländewagen her, aber es gibt auch noch die per TukTuk und Handkarren anreisenden Kollegen, die vielleicht noch nicht so lange „im Geschäft” sind. Die Marktpolizei kümmert sich im Wesentlichen um Streit bei Platzvergaben unter den Händlern und sorgt vorsorglich dafür, dass Fahrzeuge noch vor Marktbeginn entfernt wurden. Schon 2-3 Stunden vor dem Start ist in weitestem Umkreis keinerlei Parkfläche mehr auszuspähen. Marktbesuchern empfehle ich daher dringend, bei Anfahrt mit eigenem PKW, eine sichere Abstellmöglichkeit schon im Bereich des Hauptbahnhofes Hua Lamphong aufzusuchen. Dort ist es relativ sicher, beleuchtet und bewacht. Unvorsichtige Zeitgenossen brauchen sich später wirklich nicht zu wundern, das ihr eigenes Radio, Lenkrad mit Airbag oder die Rückspiegel auf einer Trottoirverkaufsdecke in einer Gasse des Marktes schon wieder ganz unschuldig nach einem neuen Besitzer AUsschau halten. Laternenparkplätze gibt es in ganz Chinatown kaum, in Armut lebende Einheimische dagegen sehr viele – und gebrauchtes Einbrecherwerkzeug jeder Art gibt ein paar Strassen weiter auf dem Diebesmarkt wirklich für ganz kleines Geld! Um Schlag 17 Uhr geht es dann so richtig los, denn nun rennen aus allen Anfahrtstrassen die Händler dorthin, die nur einen kleinen Platzbedarf haben. Sie führen ihre Waren in Rucksäcken oder Reisetaschen mit und füllen in wenigen Minuten die soeben noch mit Lieferfahrzeugen vollgestopften Strassen des Viertels. Inmitten der Strasse entsteht binnen einer Viertelstunde eine neue Marktzeile mit Decken auf dem Boden, einfachen Kartonstreifen oder faltbaren Klapptischchen. Es ist noch nicht an der Zeit für zaghafte Gemüter, nur die hartnäckigsten unter den Schnäppchenjägern machen sich nun auf die Socken und eilen mit noch leerem Rucksack auf dem Rücken in dem katastrophal unorganisiert wirkenden Gewirr herum und suchen gezielt nach Wertgegenständen wie Edelschreibgeräten, Markenuhren, man mag nicht glauben was es hier so alles gibt.

Ich selbst habe mir hier schon ein einmal benutztes GPS-Gerät gekauft, dessen Vorbesitzer wütend war, weil er die Menüführung nicht auf Thaisprache umstellen konnte. Eine Backup-Digitalkamera für meine Reportagereisen war hier nicht viel teurer, als die im Gehäuse noch befindlichen Akkus samt SD-Speicherkarte in jedem beliebigen Fachgeschäft gekostet hätten.
Das Warenangebot verrät oftmals die Herkunft der angebotenen Artikel, ein Standsortiment mit Stromadaptern, deutschsprachigen Reiseführern, Elektrorasierern, Schmuck und Reiseutensilien wird seinen Ursprung offensichtlich in einem oder mehreren Hotelzimmern gehabt haben. Computerfestplatten allerneuster Generation ohne jede Umverpackung aus 24er Packs in Styroporplatten sind in Minuten ausverkauft und „fielen” wohl vom LKW oder fehlen nun im Bestand der Festplattenwerke im Norden der Stadt. Am Montagmorgen wird es auf etlichen Baustellen Bangkoks recht lange Gesichter geben, wenn man im Elektrogeräteschrank nur noch gähnende Leere vorfindet. Mittlerweile hat jede noch so kleine Lücke in den Marktzeilen weitere Anbieter vorzuweisen, und auf den engen Gehwegen zwischen diesen beginnen die regulären Besucher ihren Marktrundgang. Fangfrisch von den Grossbaustellen der Stadt – Elektrowerkzeuge in Profiqualität aller namhaften Hersteller dieser Welt.

Es beginnt langsam zu dämmern, und mir fallen viele dieser kleinen neuartigen grell hellen LED-Taschenlampen auf, die fast jeder mit sich führt. Man kann so etwas auch für ein paar Baht kaufen, wenn man keine mitgebracht hat. Bei 40 Baht kann man da ja sicher nicht viel verkehrt machen. Nicht alle Händler haben eine Beleuchtung und Stromversorgung am Stand. Das Getümmel, das Hin- und Hergerenne der Profis auf der Jagd weicht einem gemächlichen, aber sehr dichtem Menschenstrom, der nun an den Ständen vorbeifliesst.

Tags: Bangkok, Diebe, Flohmarkt
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