LETZTEN ARTIKEL

HomeThailand › Flohmarkt der Diebe in Bangkok – Teil2

Flohmarkt der Diebe in Bangkok – Teil2

Nur wenige Gelegenheiten zum Verschnaufen hat man, die Breiten der Gehwege unterschreiten einen Meter oftmals.

Bei Gegenverkehr an Passanten führt das oftmals zu ungewollten Berührungen. Das wiederum nutzen Trick- und Taschendiebe aus, man sollte hier (in Chinatown immer!) besonders auf seine Geldbörse Acht geben, und Mobiltelefone am Gürtel befestigt zu haben ist auch ein oft gemachter Kardinalfehler. Frauen unter den Besuchern sollten bei der Wahl des Schuhwerks und auch der Handtasche bedenken, dass die Gehsteige oft uneben sind, Versätze und Stolperfallen gibt es an jeder Ecke, und überall lauern Bettelkinder oder auch erwachsene Diebe auf eine sich bietende Gelegenheit, einer beispielsweise unbeholfen vor sich hin staksenden High-heels-Dame ihre vielleicht gestern in der Nobelboutique gekaufte Gucci-Handtasche nebst Inhalt zu entreissen. Nach 22 Uhr beginnt sich das Geschiebe in den Gängen etwas zu lichten, wer fleissig war und ein gutes Schritttempo vorlegte, der hat nun bereits 20% des gesamten Marktes gesehen. Nun findet man eher die Müsse, ein paar Fotos zu schiessen, einen Snack aus der Garküche zu sich zu nehmen (wenn man den Mut und einen resistenten, strapazierfähigen Magen hat) oder sich mit den Auslagen der Dealer etwas näher zu befassen.
Die Mitnahme einer Strassenkarte ist nicht nötig, denn das Marktgeschehen spielt sich nur in einem unsichtbar abgegrenzten Territorium ab. Um den Markt herum verlaufen grosse Verkehrsstrassen, und man kommt von überall relativ schnell an ein Taxi oder TukTuk, wenn der Spass des Schnäppchenjagens abklingt, die wunden Füsse sich melden oder gar der Rucksack so voll gestopft mit Geshopptem ist, dass es so einfach nicht mehr locker weitergeht. Anfängern empfehle ich gerne, sich nur dieser Marktperipherie entlang zu bewegen. Bis man dann wieder am Ausgangspunkt ist, hat man etliche Kilometer abgeschritten.

An besonders attraktiven Angeboten gibt es für mich hier immer zum Beispiel die Anbieter des Airlinezubehörs. Nein, ich sammle keine Kaffeelöffelchen mit dem Signet der Fluglinien oder Kotztüten aus den Sitztaschen, ich bin da als Resident in Thailand scharf auf für Touristen ganz banal wirkende Sachen. Kaffeerahm von Bärenmarke, Käse aus dem Emmental, die gute Zentis Marmelade oder kleine Riegel von edlen Schweizer Schokoladen muss man nicht vermissen, wenn man die Kniffe Bangkoks kennt! Die kessen Saftschubsen der Gourmet-Airlines werden diese Dinge nicht vermissen, denn ihr Cateringservice rüstet die Wägelchen ja für jeden Flug erneut voll auf. Das Angebot als auch der jeweilige Standort wechselt immer, ob ich nun mit einem Kilobeutel von Mini-Babybelkäse oder australischem ehester heimkehren werde, das weiss ich vorher nie.
Im Angebot ist immer das, auf was die Airlines gerade nicht gut genug aufgepasst haben, so denke ich jedenfalls, denn bestellen kann man nichts – alles bleibt dem Zufall überlassen. Besonders die Artikel aus den feineren Passagierklassen der Airlines gelten bei mir persönlich als die wahren Schnäppchen des unvergleichlichen Flohmarkt der Diebe. Der Schwerpunkt des Marktes hinsichtlich des Angebotes liegt aber eindeutig eher in den Bereichen der Heimwerkerei, Krad & Kfz.-Zubehör, Kleinantiquitäten, Buddhafiguren und Bekleidung aller Art. Es gibt hier am hochmobilen Stand wahrscheinlich mehr Armaturen und Brauseschläuche nebst allem Zubehör zu erstehen, als ein gutsortierter und grosser Baumarkt an Auswahl hat. I-Pods, Laptops und andere elektronische Spielzeuge gibt es hier ohne jede Gewähr und oft ohne Zubehör, dafür halt spottbillig. Auch Kameras kann man hier vor Ort nicht wirklich ausprobieren, man geht schon Risiken ein.

Irgendwann geht auch dem hartgesottensten Marktprofi die Puste aus. Man sehnt sich nach Klimaanlage oder einfach einem Platz, wo man sich hinsetzen kann. Die chinesischen Gehweganbieter von Entengerichten mit Reis, deren Grillvögel mich vorhin beim Vorbeigehen noch so traurig aus der Glasvitrine mit ihren toten Augen angeschaut haben, die boykottiere ich. Doch nicht etwa, weil deren Essen nicht schmecken möchte, sondern weil ich kein Mensch bin, der sich an einem Klapptisch auf einem Plastikhocker mitten im Tohuwabohu des Gehsteiggedränges wohl fühlen kann. Ich selber habe auch keine Präferenz für US-Fastfood, aber habe mich auch schon dabei ertappt, im KFC auf der Worachak Road neben dem Klong Thom Center an der Marktperipherie in der klimatisierten Atmosphäre dort bei einem erfrischenden Eistee etwas abzukühlen, bevor ich eine erneute Marktrunde wage.

Gekühlte Getränke für durstige Marktbegeher gibt es sonst an jeder 2. Ecke. Der eine kauft sich halt etwas im 7-Eleven (schwer zu finden hinter der schultergeschlossenen Reihe mannshoher Kühlschränke des Dealers unmittelbar davor), ein Anderer zieht vielleicht den Schluck Whisky oder den billigsten Reisschnaps aus der Flasche vor, den meist ältere Chinesinnen im Labyrinth der Gassen in der Marktmitte neben ihren lose und einzeln zum Verkauf angebotenen Zigaretten bereithalten.
Das Labyrinth der Wege im Marktviertel erschwert die Orientierung. Verabreden Sie in ihrer Gruppe zwingend einen gut auffindbaren Treffpunkt, die schmalen Wege erschweren gemeinsames Vorgehen erheblich. Dieser Markt ist übrigens wirklich und absolut nicht für Kinder geeignet! Viel Erfolg beim Stöbern! Auch weit nach Mitternacht herrscht noch reges Treiben vor den Ständen, aber man kann sich nun auch etwas bewegen und sich nach einem Gegenstand auf einer Decke bücken, ohne dass man gleich von anderen Passanten per sanftem Druck gegen den Hintern in die jeweilige Auslage befördert wird.

Passende Thailand Themen:
  1. Flohmarkt der Diebe in Bangkok – Teil1

Tags: , ,

Leave a Reply